Naturfotografie im Wandel der Zeit

Wie könnte die Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) ihr Jubiläum besser begehen als mit einer Auswahl ihrer besten Arbeiten? Seit ihrer Gründung steht die GDT für eine Fotografie, die technisch, ästhetisch und künstlerisch herausragend, wenn nicht gar wegweisend ist. Auch Umweltschutz und Naturkunde gehören von Beginn an zu den erklärten Werten und Aufgaben des Vereins. 2021 feierte die GDT ihr 50-jähriges Jubiläum, zwar nicht als rauschendes Fest wie geplant, dafür aber nicht weniger bildgewaltig.

Mit ihrer Jubiläumsausstellung, die ab Samstag, 25. Juni bis zum 16. Oktober im Sauerlandpark Hemer zu sehen sein wird, möchten der Park und die GDT allen Besucherinnen und Besuchern die immense Vielfalt naturfotografischer Themen vor Augen führen. Seien es intime Tierporträts, kreative Pflanzenbilder, bislang ungesehene Motivwelten und Aufnahmen, die sich mit dem Natur- und Artenschutz auseinandersetzen oder für neue fotografische Stilrichtungen stehen.

„Was alle Fotoarbeiten verbindet, ist ein hohes Maß an künstlerischer Qualität und das große Können, das alle Mitglieder der GDT eint“, sagt Geschäftsführerin Karen Korte. In der heutigen Zeit, mit ihrer Flut an beliebigen Bildern, steht die GDT für eine Naturfotografie mit Haltung. Dazu gehört nicht nur der hohe Anspruch der Mitglieder, sich ständig qualitativ zu steigern und den künstlerischen Ansatz immer wieder neu zu formulieren. Auch Authentizität und der Respekt vor dem Motiv sind zentrale Werte, die die GDT seit jeher engagiert vertritt. Dass sich die Mitglieder hohen ethischen Standards bei der Entstehung ihrer Bilder verpflichtet sehen, versteht sich von selbst. Auch digitale Manipulationen sind untersagt und werden durch strenge Regularien und lückenlose Kontrollen ausgeschlossen.

„Wie bereits bei der Ausstellung ´Best of Europäischer Naturfotograf des Jahres (ENJ)` im Jahr 2018 wird der Sauerlandpark die Bilder Open Air auf einem Rundweg durch die Wiesenflächen hinter dem Jübergturm präsentieren.“ erklärt Thomas Bielawski, Geschäftsführer des Sauerlandparks, der sich freut, die Jubiläumsausstellung für den Sauerlandpark gewonnen zu haben.

Alle Bilder stammen aus den zwei international renommierten Foto-Wettbewerben ´GDT-Naturfotograf des Jahres` und dem ´Europäischen Naturfotografen des Jahres`, die die GDT seit 20 Jahren ausschreibt. Die Siegerfotos der beiden diesjährigen Wettbewerbe werden im Rahmen des Internationalen Naturfotofestivals vom 28. bis zum 30. Oktober in Lünen präsentiert.

Für Besucherinnen und Besucher des Sauerlandparks Hemer ist der Besuch der Open Air-Ausstellung bereits im Tageseintrittspreis oder in der Dauerkarte enthalten. Ein Zusatzeintritt wird nicht berechnet. Die Ausstellung kann an jedem Öffnungstag des Sauerlandparks von 10:00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit in Augenschein genommen werden.

 

Zu sehen sind unter anderem:

 

Stephan Fürnrohr – Deutschland

Wald im Wind

Bei einer Fotoexkursion in den „Hochwald“ genannten, besonders geschützten Bereich des Spreewaldes, stellte sich mir die Frage, wie man das Rauschen der Bäume im Wind wohl bildlich festhalten könnte. Ich wählte dazu vor Ort die Technik der Doppelbelichtung, Nikon DSLRs bieten diese Funktion glücklicherweise noch. Ich machte eine Belichtung mit kurzer (bei Windstille) und eine mit langer Belichtungszeit (während einer Böe), um das scharfe Bild des Waldes mit einem verwischten Bild zu überlagern. Beide Einzelbilder wurden etwas unterbelichtet, um insgesamt eine ausgewogene Belichtung zu erhalten. Nach vier bis fünf Versuchen war diese Variante mein Favorit.

 

Jan Piecha – Deutschland

Die Lichter der Stadt

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den überwiegend nachtaktiven Waschbären (Procyon lotor). Zunächst begann alles mit einem einzelnen Tier, das ich regelmäßig in den Abendstunden begleitet habe. Mit der Zeit fand ich noch weitere geeignete Stellen, und die Fototouren verlagerten sich zunehmend auch in die Nacht hinein. In einer warmen Sommernacht ergab sich dabei diese Szene mit einem Waschbären vor den Lichtern der Stadt.

 

Werner Bollmann – Deutschland

Nasses Vergnügen

Scheu sind die Krauskopfpelikane (Pelecanus crispus) am Kerkinisee (Griechenland) wirklich nicht! Sobald die Fischer ihren Beifang über Bord werfen, versammeln sich Dutzende dieser großen Wasservögel und balgen sich knurrend und zischend um die Fische. Dabei geht es nicht gerade zimperlich zu. Ich befand mich mit meinem Weitwinkel im Zentrum des Spektakels und war nach wenigen Minuten klatschnass. Einer der Vögel schlug mir bei dem Versuch, den Fisch als erster zu ergattern, sogar kräftig mit dem Flügel auf den Kopf – wieder mal ein Erlebnis, das nur einem Naturfotografen passieren kann.

 

Paul M. Kornacker – Deutschland

Scharfblick

Die mit den Rabenvögeln verwandten Weißbürzel-Würgerkrähen (Strepera graculina) sind im Osten Australiens weit verbreitet. Auch im Blackdown Tableland Nationalpark, Queensland, kommen diese Würgerkrähen häufig vor. Eigentlich galt der Besuch des Nationalparks einem dort vorkommenden seltenen Blattschwanzgecko. Aber an einem nasskalten, windigen Morgen entdeckte ich diese beiden Krähen unmittelbar an unserem Campingplatz im Wald. Seit einiger Zeit schon beschäftigte mich die Idee, die verzaubernde Ausstrahlung, die Scharfsichtigkeit und Schlauheit dieser Tiere fotografisch umzusetzen. Beide Vögel saßen im perfekten Abstand zueinander, so dass ich meine Vorstellung realisieren konnte.

 

Ingo Arndt – Deutschland

Trinkende Monarchfalter

Für ein umfangreiches Projekt über Schmetterlinge reiste Ingo drei Mal nach Mexiko in das Überwinterungsgebiet der Monarchfalter (Danaus plexippus). Während einer Trockenperiode hatte er das Glück, eine Trinkstelle der Tiere zu finden. Noch vor dem Eintreffen der Schmetterlinge am frühen Morgen, legte er sich flach auf den Boden am Rand der Wasserfläche. Nach und nach kamen die Monarchfalter angeflogen. Schon bald war er von Schmetterlingen umgeben. Sie waren so durstig, dass sie nur wenig Rücksicht aufeinander nahmen und beim Trinken teilweise übereinandersaßen.

 

Carsten Ott – Deutschland

„Ist jemand da?“

Beim Anblick der aufgemalten Szenerie am Fischottergehege kam mir die Komposition vom „Bild im Bild“ in den Sinn. Mehrere Tage vergingen, bis sich mir das Schauspiel bot, auf das ich so lange gewartet hatte: Der Fischotter (Lutra lutra) erschien kurz auf der Bildfläche, betrachtete die „natürliche Idylle“ des Sees und nahm Kontakt mit seinen „Artgenossen“ auf. Die Doppeldeutigkeit des Bildes – das echte Tier in Gefangenschaft und die unechten Tiere in der freien Seenlandschaft – begeistern mich besonders.

 

Josef Vorholt – Deutschland

Fenstervogel

Jedes Jahr Anfang Juni taucht „unser“ Buntspecht (Dendrocopos major) mit seinen bettelnden Jungen an der Försterei auf. Eines Morgens wurde ich von einem lauten Schlag aufgeschreckt: Ein junger Buntspecht war gegen das Küchenfenster geflogen. Als ich das Fenster erreichte, sah ich ihn noch davonfliegen. Ich war sehr froh, dass er diese schmerzliche Fensterlektion so gut überstanden hatte. Der bei dem Flugunfall hinterlassene Abdruck fiel mir erst am nächsten Tag auf. Das diffuse Morgenlicht machte eine unerwartet detailreiche und filigrane Gefiederzeichnung sichtbar.

 

Hermann Hirsch – Deutschland

Abendidylle

Junge Rotfüchse (Vulpes vulpes) waren eines meiner ersten Projekte, als ich mit der Naturfotografie begann. Der Fuchsbau lag nur wenige Fahrradminuten von meinem Zuhause entfernt, mitten in einer Großstadt. Völlig begeistert besuchte ich die Kleinen jeden Tag und fotografierte sie Stunde um Stunde. Es dauerte nicht lange und sie hatten sich so sehr an mich gewöhnt, dass ich Schwierigkeiten hatte, sie überhaupt noch ins Bild zu bekommen, da sie mir um die Beine liefen. So zeigt dieses Foto das älteste und scheuste Geschwisterkind, welches mir gegenüber immer etwas skeptisch blieb.

 

Andreas Geh – Deutschland

Gänsesägerfamilie

An einem Gebirgsfluss habe ich täglich einen Gänsesäger (Mergus merganser) beobachtet, der sich mit seinen Jungen in Richtung See aufmachte, um tagsüber im Mündungsbereich zu verweilen. Abends ging es wieder den Fluss hinauf. Mich berührte die Fürsorge dieser Tiere und ich wollte einfangen, wie die Küken in enger Bindung wie eine Perlenkette dem Elterntier folgten. So entstand die Idee, mich gegen Abend auf eine Brücke an der Mündung zu stellen und zu warten, um die Familie exakt senkrecht von oben zu fotografieren und die im glasklaren Wasser am Grund sichtbaren Reflexionen grafisch einzubeziehen.

 

Serge Sorbi – Belgien

Der Geist der Taiga

Wir reisten mitten im Winter nach Finnland, um die wenigen Vogelarten zu beobachten, die den harten Bedingungen dort trotzen können. Die Temperatur lag bei fast minus 20°C, und wir patrouillierten die kleinen Straßen in der Nähe der russischen Grenze in der Erwartung, auf den Waldlichtungen Eulen auf der Suche nach Beute zu finden. Ich hoffte besonders auf einen meiner Traumvögel, den König der Taiga, den Bartkauz (Strix nebulosa). Schließlich entdeckten wir einen auf dem Gipfel einer verschneiten Birke. Der Vogel verharrte einige Minuten lang im Gegenlicht der Wintersonne – ein magischer Moment, den man für immer in Erinnerung behält.